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Zwei Stunden durch die Hölle

Es ist Halbzeit. Fünf von zehn Rennabenden der aktuellen Touring Classics-Saison sind geschafft, was mit einem ganz besonderen Event begangen werden sollte. Mit der legendären Nordschleife bekommen wir es, und zwar gleich als volle Dröhnung in Form eines 120-Minütigen Langstreckenrennens. Es geht auf die VLN-Variante der grünen Hölle, rund 24,4 Kilometer lang und mit den historischen Tourenwagen in etwas weniger als acht Minuten und zwanzig Sekunden zu bewältigen. Rechnerisch ergeben sich also 14, vielleicht sogar 15 Runden, die die Piloten heil überstehen müssen – und das wird alles Andere als leicht. Die Nordschleife ist bekannt als ultimative Herausforderung für Mensch und Maschine, und die betagten Gruppe A-Boliden kommen hier schnell an ihre Grenzen. Bei hohen Geschwindigkeiten beginnen die Fahrzeuge auf der Vorderachse zu schwimmen und mit jeder der zahllosen Bodenwellen gewaltig zu versetzen. Auf so einer schmalen Strecke und bei bis zu 275 km/h ist das schon in Einzelfahrt kritisch genug, doch spätestens in Duellen, zu zweit nebeneinander, sind Schweißausbrüche und plötzliche Schwächeanfälle garantiert. Hervorragende Streckenkenntnis, viel Übung und vor allem volle Konzentration sind hier der letzte Schlüssel zum Sieg, doch auch das Einsatzgerät spielt hier eine entscheidende Rolle.

Auf der Nordschleife bedeutet „schnell“ nicht zwangsläufig „langstreckentauglich“ …

Die mit einigem Abstand besten Rundenzeiten liefert der Nissan Skyline, der in den kurvigen Abschnitten mit seinem Allradantrieb und auf der Döttinger Höhe mit überragender Motorleistung überzeugen kann. Überragend ist jedoch auch sein Reifenverschleiß – und naturgemäß geht mit der hohen Leistung auch ein hoher Spritverbrauch einher. Somit ist es fraglich, ob der Nissan mit nur zwei Boxenstopps über die Distanz kommt, oder ob er gar dreimal stoppen muss. In letzterem Fall wird es spannend, da die zusätzliche Zeit an der Box seinen Geschwindigkeitsvorteil fast vollständig aufzehrt und plötzlich Fahrzeuge wie der Volvo 240 Turbo zu den ganz heißen Siegeskandidaten gezählt werden könnten. Der kantige Schwede kann sich geradeaus zwar nicht ganz mit dem Nissan messen, geht aber ebenfalls wie die Hölle und ist dabei leichter und agiler in den Kurven. Dank rustikalem Fahrwerk, gewaltigem Turboloch und kaum Gewicht auf der Hinterachse ist der Wagen durchaus anspruchsvoll zu fahren, liefert bei vernünftiger Fahrweise jedoch gute Rundenzeiten bei einem Bruchteil des Nissan-Reifenabriebs. Ebenfalls sehr reifenschonend und darüber hinaus perfekt in den Kurven liegend sind BMW M3 und Mercedes 190 unterwegs, die über die Distanz hinweg eine hervorragende Wahl darstellen und nur aufgrund ihrer unterirdischen Performance auf der Döttinger Höhe nicht zu den absoluten Top-Favoriten gezählt werden. Der große Opel Omega vereinigt ausreichend Motorleistung mit einem sehr präzisen Lenkverhalten, nur das auf Bodenwellen extrem nervöse Heck macht seinen Piloten zu schaffen. Gut für den Kampf um die Spitze ist der Wagen trotzdem. Weniger gut sind die Aussichten für die Fahrer des Audi V8 DTM, denn aufgrund seines stark untersteuernden Fahrverhaltens ist der schwere Wagen hier nur zu Mittelfeld-Zeiten in der Lage. Ähnlich ergeht es den Mustang-Tretern, die hier von ihrem 520 PS starken, aber nur mit einer Starrachse versehenen Untersatz langsam aber sicher in den Wahnsinn getrieben werden. Zudem laufen beide Wagen – wie der Nissan – Gefahr, dreimal an die Box zu müssen. Positiv überrascht hingegen die Performance des BMW 635. Mit seinem neutralen und extrem gutmütigen Fahrverhalten lässt sich der behäbige Bayer auch am absoluten Limit sicher um die Schleife prügeln und so auf Rundenzeiten bringen, die seine bloßen, technischen Eckdaten Lügen strafen und selbst Opel- oder BMW-M3-Piloten ins Schwitzen bringen könnten.
Ein spannendes Rennen ist also alleine schon durch das Starterfeld garantiert. Für besondere Würze werden die verschiedenen, denkbaren Boxenstrategien sorgen. Lohnt es sich, früh zu schalten, etwas früher vom Gas zu gehen und die Reifen zu schonen, wenn so ein Boxenstop eingespart werden kann? Oder ist es besser, dauerhaft am Limit zu pushen und dafür einmal mehr anzuhalten? Die Boxengasse des Nürburgrings ist lang …
Fest steht: es wird in den zwei Stunden niemals langweilig werden. Dafür sorgt auch Sebastian Gerhart, der das Event wie gewohnt kommentieren wird und bei Langstreckenrennen bekanntlich voll in seinem Element ist.
Das solltet ihr nicht verpassen!


Link zum Stream: youtube.com/c/SimracingUnited/live
Moderator: Sebastian Gerhart
Streamstart: 08.12.2017, ca. 20:00 Uhr


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