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Kartbahn-Romantik in Karlskoga! Die Touring Classics live aus Schweden.

Die Touring Classics-Saison neigt sich langsam ihrem Ende zu. Nur noch drei Rennabende müssen die Piloten der historischen Tourenwagen hinter sich bringen, bevor die Meisterschaftssieger feststehen. Diesmal geht es für sie nach Schweden, wo mit dem traditionsreichen Karlskoga Motorstadion eine der bisher größten Herausforderungen auf sie wartet.

Auf den ersten Blick erscheint das unlogisch. Karlskoga ist eine winzige und extrem langsame Strecke, gerademal zweieinhalb Kilometer lang und ohne nennenswerte Geraden. Selbst die leistungsstärksten Fahrzeuge überschreiten die 200 Km/h – Marke hier nur kurz, und die schwächer motorisierten Fahrzeuge tun sich schwer damit, diese überhaupt zu erreichen. Auslaufzonen sind überall reichlich vorhanden, und auch wenn die schier endlosen Kurvengeschlängel auf welligem Untergrund als technisch anspruchsvoll gelten können – wirklich gefährlich ist hier keine Passage.

Wo liegt dann die Schwierigkeit? Ganz einfach: auf diesem kurzen und extrem schmalen Kurs, im Grunde eher einer etwas zu groß geratenen Gokartbahn, werden sich in den beiden Halbstundenrennen über 30 Fahrer tummeln. „Drangvolle Enge“ ist ein Ausdruck, der nicht mal ansatzweise genügt um zu beschreiben, was die Piloten in direkten Positionskämpfen und während Überrundungen erwartet. Man muss kein Pessimist sein um zu wissen, dass das nicht ohne den einen oder anderen Blechschaden über die Bühne gehen kann. Wer hier nicht über die gesamte Distanz mit voller Konzentration und großer Umsicht dabei ist, kann sein Rennen – und im schlimmsten Fall auch das eines Anderen – im Handumdrehen beenden.

Während die Fahrer hier nicht viel zu lachen haben, wird den Zuschauern mächtig was geboten …

Pech für die Piloten – Glück für die Zuschauer, denn dass das Ganze überaus spektakulär werden wird, sollte jedem klar sein. Gefördert wird dies auch noch dadurch, dass in Karlskoga trotz der geringen Fahrbahnbreite genügend Stellen für Bremsattacken und Überholmanöver vorhanden sind, so dass der Fahrer auf der Pole Position noch lange nicht sicher sein kann, auch auf diesem Platz ins Ziel zu kommen. Doch welche Fahrzeuge gehen hier eigentlich am besten?

Diesmal lässt sich diese Frage klar beantworten: BMW M3 E30 und Mercedes 190 Evo II. Auf den schnellen Strecken in der Vergangenheit eher benachteiligt, können diese beiden Leichtgewichte hier ihr überragendes Fahrwerk voll ausspielen und in den zahllosen Kurven einen Vorsprung herausfahren, der sich selbst mit der brachialen Motorgewalt eines Nissan Skylines auf den wenigen, kurzen Geraden nicht mehr vollständig aufholen lässt. Dazu kommt, dass diese beiden Fabrikate im Gegensatz zu vielen anderen Fahrzeugen nicht von Reifenproblemen geplagt werden und somit über die gesamte Renndistanz hinweg am Limit pushen können.

Doch auch wenn die Favoriten hier klar feststehen – groß ist ihr Vorsprung nicht. In kundiger Hand ist der bereits angesprochene Nissan Skyline immer zu beeindruckenden Rundenzeiten in der Lage, und auch der Volvo 240 Turbo steht bei seinem Heimspiel nicht schlecht da. Während der Volvo allerdings aus den Ecken heraus schwächelt – zunächst mit Turboloch, dann ohne Traktion – sind es beim Nissan die Reifen, die unter der Last von 1,4 Tonnen und praktisch in immerwährender Kurvenfahrt schon lange vor Rennende schlapp machen und entweder ein sehr konventionelles Setup und ruhige Fahrweise, oder einen Reifenwechsel notwendig machen. Ähnlich unter dem Fahrzeuggewicht zu leiden hat der mächtige Audi V8, der hier zwar mit Allradantrieb eine sehr gute Figur macht, aber über die Distanz ebenfalls in Schwierigkeiten kommen wird. Mit weniger Abrieb gesegnet ist zwar der Opel Omega, da „Traktion“ für den bärenstarken, aber giftigen Rüsselsheimer jedoch ein absolutes Fremdwort ist, gerät hier jeder Kurvenausgang zur Tortour. Wesentlich beherrschbarer im Drift, aber mit noch weniger Traktion ist der soundgewaltige BMW 635CSi unterwegs. Wer seinen Gasfuß hier nicht beherrscht und sich der Freude am Fahren hingibt, wird ohne einen zweiten Satz Hinterreifen nicht über die Distanz kommen. Der bullige Ford Mustang schließlich fühlt sich in Karlskoga, dem absoluten Gegenstück zu den schnellen Pisten Nordamerikas, wie ein Fisch auf dem trockenen. Es lassen sich gute Rundenzeiten aus dem V8-Dampfhammer herausquetschen, aber insbesondere die urtümliche Starrachse macht das Fahren hier zu einer echten Nervenzerreißprobe.

Wir können uns also im besten Fall auf erstklassige Motorsportaction freuen, mindestens aber mit morbider Faszination beobachten, wie eine so kleine Strecke so viele Fahrer in so kurzer Zeit ins Verderben stürzen kann.
Egal wie es kommt – das Einschalten lohnt sich!


Link zum Stream: youtube.com/c/SimracingUnited/live
Moderator: Tobias Heselmann
Streamstart: 16.06.2017, ca. 19:55 Uhr


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