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Heiße Drifts und Reifen-Eiertänze

Am dritten Rennabend der Back to the Roots 90’s steht die Welt Kopf. Zumindest aus Sicht des europäischen Starterfeldes. Es geht Down Under nach Australien, so ziemlich an den südwestlichsten Zipfel den die Insel… Verzeihung… der Kontinent hergibt. Gefahren wird auf dem Barbagallo Raceway nahe Perth, der früher auch als Wanneroo Park berühmt berüchtigt war: reifenmörderisch (zumindest bis der Asphalt erneuert worden ist) und mit seinen 2,411 km Streckenlänge eine der kürzesten Strecken im Rennkalender der BttR. Die Hügellandschaft um Perth eignet sich perfekt für ein paar fiese Windungen, vor allem Kurve 5, ein lang gezogener, nach außen hängender 178 Komma 9 3/4 Grad Bogen, der bergab angebremst werden muss, hat es den Fahrern angetan. Aber dazu später mehr…

Die Qualifikation

Die 15-minütige Qualifikation geht wieder um wie nichts. Durch die kurze Strecke sind alle Fahrer bemüht, zumindest ein oder zwei fliegende Runden ohne Fremdeinwirkung zu absolvieren, um so ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen. Mit Topspeeds jenseits der 220 km/h kann sich Thomas Schacht vom Team proReifen.com die Pole-Position sichern. Die Stoppuhr bleibt mit einer 1:00,263 nur sehr knapp über einer Minute stehen. Auf dem zweiten Platz findet sich ein alter Bekannter wieder: Walter Hampf! Lediglich 65 Tausendstel fehlen ihm auf die Zeit von Schacht. Ohne die 40 kg Ballast aus den Staaten wäre hier vermutlich der Sprung auf P1 drin gewesen. Es stehen somit zwei Fahrzeuge bayrischen Fabrikats in der ersten Startreihe. Unter Experten munkelt man bereits, dass die Kopfdichtungen von BMW besser an die lokalen Bedingungen der Südhalbkugel unseres Planeten angepasst wären. Die Fahrzeuge aus dem Schwoaba-Ländle nehmen hingegen die zweite Startreihe in Beschlag: Josef Edlbergmeier komplettiert das Qualy-Podium trotz 20 kg Erfolgsgewicht aus Virginia mit einer 1:00,495. Neben ihm wird Benjamin Oses mit einer 1:00,637 von Startplatz 4 ins Rennen gehen. Tobias Taito, ebenfalls im Benz, schafft den Umlauf marginale 7 (!) Tausendstel langsamer als Oses. Das Erfolgsgewicht von 30 kg tut hier wohl seinen Dienst. Allgemein verspricht die Qualifikation zwei sehr, sehr spannende Läufe. Bis einschließlich Startplatz 14 (Heiko Scheuermann, 1:01,144) befindet sich das Fahrerfeld innerhalb von einer Sekunde! Wir dürfen gespannt sein, wie sich diese Leistungsdichte innerhalb der beiden Rennläufe entwickelt.

Start Lauf 5 der BttR

Mit dem Erlischen der Startampel steigt weißer Rauch auf. Nicht etwa weil der Papst nach Australien kommt, sondern weil alle 20 Starter schnellstmöglich und ohne die Hilfe einer Traktionskontrolle die erste Kurve erreichen wollen. Der Start erfolgt bei allen Fahrern ohne nennenswerte Probleme. Während die ersten fünf Starter von T. Schacht bis einschließlich T. Taito brav nacheinander durch die ersten Kurven ziehen, erwischt Günter Jahn von Startposition 8 aus einen bombastischen Start und kann direkt an Michel Behrendt (Startplatz 7) vorbeiziehen. Eingangs Kurve 1 setzt er sich bereits neben Robert Schauderna, muss diesen jedoch am Ausgang der Kurve wieder ziehen lassen. Adrian Louchart (P17) und Moritz Bolay (P16) geraten beim Anbremsen von Kurve 1 ebenfalls etwas aneinander. Es bleibt aber zum Glück lediglich bei einem kleinen Ausritt Loucharts in die kurveninnere Wiese. Beim Anbremsen auf Kurve 5 folgen die nächsten Attacken: Roland Weis bremst sich neben Günther Jahn, direkt dahinter setzt sich Thomas Edlbergmeier außen neben Matthias Liebig. So kämpft sich das Viererpack durch T5, die lange Gegengrade hinunter und durch Kurve 6 zurück auf Start-Ziel. Am Ende sind es T. Edlbergmeier und G. Jahn, die sich in der darauffolgenden T1 ins australische Grün verabschieden.

Renn-Action und Reifen-Eiertanz

Im Verlauf des Rennens bröckelt das Feld etwas auseinander. Es kommt zu einzelnen packenden Gefechten um Positionen, aber auch zu Drift-Battles, für welche die alten DTM-Klassiker bestens geeignet sind. Ein Paradebeispiel dafür zeigen Manuel Liebig und Moritz Bolay in der allseits beliebten Kurve 5. Dabei geht es eigentlich um die Positionen 10 und 11, was die beiden Quertreiber jedoch nicht beeindruckt. Zum Rennende hin verknüpfen sich bei vielen Fahrern die Fahrbefehle zu einem großen Ganzen. Das Gaspedal korrigiert schon lange nicht mehr nur die Geschwindigkeit, sondern auch den “Schwimm-“Winkel, mit dem das Fahrzeug seine Richtungsänderungen vollführen darf. Der drittplatzierte Josef Edlbergmeier beschreibt das Fahrverhalten nach dem Rennen wie folgt:”Das war ein Eiertanz! […] Nach 10 Minuten waren die [Reifen] sowas von fertig, dass ich nur noch gerutscht bin”. Allerdings gibt er auch zu, das Setup nicht mehr vollständig an die Strecke angepasst zu haben. Sein Flug nach Australien hatte starke Verspätung und zu alledem hatte das Bordentertainment an diesem Abend keine Filme im Angebot.

Das Finish von Lauf 5

Schlussendlich haben die ersten vier Fahrer das Rennen ohne Zwischenfälle wie beispielsweise Positionswechsel oder gar Überholmanöver hinter sich gebracht. Thomas Schacht feiert seinen ersten Sieg in der Back to the Roots, vor Walter Hampf (mal wieder Zweiter…) und Josef Edlbergmeier auf Platz 3. Benjamin Oses rettet seinen vierten Startplatz aus der Qualifikation ebenfalls bis zur schwarz-weiß-karrierten Flagge. Auf P5 folgt der bereits zweimalige Sieger Michel Behrendt, gefolgt vom letzten Sieger Tobias Taito auf P6. Thomas Edlbergmeier musste seinen Boliden leider vor Rennende abstellen, ebenso wie Matthias Liebig.
In den sechsten Lauf der Back to the Roots darf der zehntplatzierte Heiko Scheuermann vom Team memotec das Feld anführen. Hierbei wird ihm Stefan Konieczny versuchen das Leben von Startplatz 2 aus schwer zu machen. Dahinter folgen Ralf Gilles und Robert Schauderna. Ob diese Reihenfolge nach der ersten Kurve noch dieselbe sein wird?

Lauf 6 der BttR

Das zweite Mal erlischen am heutigen Rennabend die sechs roten Ampeln auf dem australischen Barbagallo Raceway und läuten so den sechsten Lauf der Back to the Roots ein. Der Start ist dieses Mal deutlich ereignisreicher. Die auf den Plätzen 3 und 4 startenden Fahrer des Sackschwitze Racing Teams fachsimpeln noch durch die geöffneten Seitenscheiben, wo denn nun der optimale Schleifpunkt der Kupplung liegt, als der Rest des Feldes sich blitzartig in Bewegung versetzt. Tobias Taito nutzt diese Situation eiskalt aus; jeder Profikiller wäre neidisch auf diese Nerven. Mittig zwischen Gilles und Schauderna sucht er das Weite, fortan auf P3. Michel Behrendt muss hinter Robert Schauderna zurückstecken und löst eine Kettenreaktion aus: Josef Edlbergmeier weicht neben Behrendt aus. Schauderna bremst, überrascht durch einen vorbeifliegenden Taito-Schatten. Edlbergmeier läuft bremsend auf Schauderna auf. Schauderna dreht sich leicht auf den inneren Curb von T1, während Edlbergmeier sich an Behrendt stützt. Behrendt sucht bei Benjamin Oses’ Hinterrad Hilfe. Dieses ist aber bereits mit der Seitenführung von Oses’ Wagen vollstens ausgelastet, sodass es den Dienst verweigert und Oses sich nach innen gen Boxengassenausfahrt verabschiedet. Wer diese Szene jetzt nicht vollständig vor dem geistigen Auge nachvollziehen kann, dem sei an dieser Stelle die Aufzeichnung des exzellent kommentierten LiveStreams unten ans Herz gelegt.

Warum 4  wenn doch auch 2 reichen?

Nach dem anfänglichen Kuddelmuddel geht das Rennen wieder gesittet weiter. Zumindest für ca. 3,74 Sekunden, bis Tobias Taito und Robert Schauderna anfangen, ihre Reifen zu schonen. Hierfür bietet sich Kurve 3 förmlich an: ein kurzer, knackiger Curb über eine Kuppe. Die perfekte Voraussetzung für gekonnte MotoGP-Einlagen auf 2 Rädern. Aber die beiden sind an diesem Abend nicht die einzigen, die an dieser Stelle den Hang zur Akrobatik verspüren.

Kämpfe, Kratzer & Kaltverformungen

Von nun an ist der Kampf um Positionen an jeglicher Stelle eröffnet. Es kommt zu unzähligen Attacken und Aktionen, Michael Ende persönlich könnte hier die unendliche Geschichte um etliche Kapitel erweitern. Ende der ersten Runde schubst Moritz Bolay seinen Vorfahrer Adrian Louchart gekonnt quer über die Strecke. Impulserhaltung hat es in sich!

Die berüchtigte Kurve 5 findet in Runde 2 erneut ihre Opfer. Thomas Schacht versucht sich innen an Benjamin Oses vorbei zu bremsen, kommt dabei aufs Grün, schlittert zurück auf die Strecke und kegelt Oses und den sich außen anpirschenden Walter Hampf in Kiesbett. Somit reißt in diesem Rennen Hampfs “Zweit-Platzierten-Serie” ab. Am Ende soll es für ihn nur auf P8 im Ziel reichen, was dennoch eine starke Aufholjagd bedeutet.

Auf den Positionen 5, 6 und 7 tauschen die Fahrer J. Edlbergmeier, M. Behrendt und T. Schacht im ersten Drittel des Rennens munter Positionen. Zwei von ihnen schaffen noch den Sprung aufs Podium.

Dahinter bilden die Kämpfer der Positionen 10 bis 15 eine starke Truppe. M. Krünes, M. Liebig, W. Hampf, G. Jahn und zuletzt B. Oses kreisen immer wieder um- und nebeneinander, sodass zeitweise niemandem eine feste Platzierung zuzuordnen ist.

Ende des sechsten Laufs

Aber auch die zweiten 30 Minuten des Abends gehen irgendwann und vor allem viel zu schnell zu Ende. Es ist wie schon in Virginia Tobias Taito, der als Erster nach Ablauf der Zeit über die Linie fährt und überglücklich die Hände vom verschwitzten Lenkrad nimmt: “Mir läuft die Suppe links, rechts runter, die Autos fordern extrem!”. Hinter ihm kann sich der proReifen.com-Fahrer Thomas Schacht über P2 nach einer ebenso kräftezehrenden Aufholjagd freuen. Sein Duellant Josef Edlbergmeier versuchte bis zum Schluss an ihm dran zu bleiben, kann aber auch mit P3 sehr zufrieden sein. Das Sackschwitze Racing Team sichert sich die Plätze 5 (Robert Schauderna) und 6 (Ralf Gilles). Michel Behrendt wird Siebter vor Walter Hampf der auf P2 hoch 3, sprich P8 ins Ziel kommt. Pole-Fahrer Heiko Scheuermann bleibt mit P9 immerhin in den Top10-Platzierungen, welche von Günther Jahn abgeschlossen werden.

11 Stunden und 15 Minuten später

Genau so lange dauert der Flug von Perth (Nahe dem Barbagallo Raceway) nach Shanghai. Am 01.11.2017 heißt es auf dem Shanghai Tianma Circuit “Xianshengmen qing ni yinqíng” was soviel heißt wie “Herren fragen Sie Motor”, weil der Google-Übersetzer nichts von Motorsport versteht (“Gentlemen, please start your engines”). Seid mit dabei, wenn Tobias Heselmann die Läufe 7 und 8 auf der nur 2,063 km kurzen “Kart”-Strecke wieder einmal packend kommentieren wird!



Pokal Rennergebnis

Gold Rennsieger: Thomas Schacht

Silber 2. Platz: Walter Hampf

Bronze 3. Platz: Josef Edlbergmeier

Pokal Rennergebnis | Rennen 2

Gold Rennsieger: Tobias Taito

Silber 2. Platz: Thomas Schacht

Bronze 3. Platz: Josef Edlbergmeier

2 Antworten zu “Heiße Drifts und Reifen-Eiertänze”

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